Die schwarzen Balken des MM enthüllt – viel Lärm um wenig

16. September 2026. Der „Mannheimer Morgen“ veröffentlicht ein Interview mit dem Mannheimer AfD-Bundestagsabgeordneten Heinrich Koch und schwärzt große Teile davon. Koch habe das Gespräch nachträglich „komplett umgeschrieben“, behauptet Chefredakteurin Miriam Scharlibbe. Sie beklagt einen „absoluten Tabubruch“, spricht von einer „Missachtung der Pressefreiheit“ und zieht von diesem Fall den Bogen zu „vielen AfDlern“ und „immer“. Das sieht nach einer großen Geschichte aus – ist auch eine. Über den Mannheimer Morgen. Denn der hinter schwarzen Balken verborgene Text lässt sich lesen.

Von Hardy Prothmann

Manchmal beginnt eine „investigative“ Recherche mit einem Informanten. Manchmal mit einem Aktenordner. In diesem Fall mit einem Interview, das mehr schwarze Balken als Text hat und dem Hinweis eines Freundes auf diese Veröffentlichung.

Der „Mannheimer Morgen“ veröffentlicht am 15. September 2026 ein „Sommerinterview“ mit Heinrich Koch in der Zeitung und online. Mehr als zwei Stunden hat MM-Redakteur Steffen Mack mit dem neuen Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Mannheimer Gemeinderat gesprochen. Das Gespräch wurde nach Darstellung der Zeitung mit Kochs Einverständnis aufgezeichnet. Anschließend hat Mack daraus eine redaktionell bearbeitete Fassung erstellt. Normaler Alltag: sortieren, kürzen, verdichten.

Ebenso Alltag ist, dass Interviews zur „Autorisierung“ vorgelegt werden, sprich, der Interviewte schaut noch mal auf den Text vor Veröffentlichung, was er dann zitabel gesagt hat. Diese Praxis ist umstritten und führte in der Vergangenheit auch zu Konflikten mit anderen Parteivertretern. Am 28. November 2003 beispielsweise veröffentlichte die taz ein Interview mit dem damaligen SPD-Generalsekretär Olaf Scholz – mit geschwärzten Antworten. Die taz machte den Autorisierungsstreit selbst zur Geschichte und nannte den Vorgang „Aushöhlung der Pressefreiheit“. Die taz machte daraus jedenfalls keinen Befund über „viele SPDler“ oder „immer“.

Laut MM akzeptierte Koch den vorgelegten Text nicht und kürzte massiv – hat er auch „komplett umgeschrieben“, wie Chefredakteurin Miriam Scharlibbe als Tatsache behauptet?
Der MM akzeptiert die Änderungen nicht. Die Zeitung veröffentlicht die vorgelegte Interviewfassung – und legt dicke schwarze Balken über die Passagen, die Koch nachträglich nicht autorisiert hatte. Und veröffentlicht online ein PDF des Artikels (Download hier).

Das sieht beeindruckend aus. Wie Geheimakte, Verschlusssache, Verfassungsschutz. Jedenfalls nach etwas, das Koch unbedingt vor der Öffentlichkeit verbergen wollte.
Doch wer die geschwärzten Zeilen tatsächlich kennt, sieht plötzlich ganz woanders ein Problem. Beim Mannheimer Morgen.

PDF-Zeitungsseite des geschwärtzen Internviews mit dem AfD-Politiker Heinrich Koch. Quelle Mannheimer Morgen

Ein Klick – und der erste Balken ist weg

Die von mir direkt von der MM-Homepage heruntergeladene PDF-Datei öffne ich mit dem PDF-XChange-Editor, einer Windows-Freeware. Ich markiere die erste schwarze Fläche über einer Zeile und kann sie entfernen. Darunter erscheint der Text – also das, was Koch laut MM gesagt haben soll.

Für meinen „Hack“ brauche ich weder IT-Forensik noch Spezialsoftware oder ein Passwort. Freeware und etwas Handarbeit reichen.

Die technisch unzureichende Schwärzung durch den MM ist ein kapitaler handwerklicher Fehler. Nicht, weil hier Staatsgeheimnisse oder Informantennamen verborgen sind, die Existenzen vernichten können. Zum Glück nicht. Aber Redaktionen veröffentlichen regelmäßig Dokumente mit personenbezogenen Daten, Informantennamen, Telefonnummern oder Geschäftsgeheimnissen, die dann vernünftigerweise geschwärzt werden. Aber so, dass niemand das unter dem Balken freilegen kann.

Jeder kann sich nun selbst überlegen, ob solche Informationen beim „Mannheimer Morgen“ in sicheren Händen wären.

Hinzu kommt: Ausgerechnet diese Balken sind nicht irgendein technisches Detail. Sie sind das zentrale publizistische Gestaltungsmittel. Sie erzählen selbst eine Geschichte, eine andere als der Text selbst: Schaut her, dieser AfD-Politiker hat etwas zu verbergen.

Der MM inszeniert eine Geschichte über Schwärzungen – und bekommt ausgerechnet das Schwärzen technisch nicht hin. Ist das nur komisch oder bereits tragisch? Denn damit ermöglicht die Zeitung unfreiwillig die Kontrolle ihrer eigenen Geschichte.

Aktualisierung, 17.09.2026: Der MM hat im Laufe des Tages die Datei durch eine mit der Kennung „zensiert sauber“ ersetzt, wie Übermedien berichtet (link unten)

Investigativer Journalismus ist meistens Fleißarbeit

Meine Definition von investigativem Journalismus ist unspektakulär: Fleißarbeit und großes Interesse.

Man sieht etwas und fragt sich: Stimmt das? Dann schaut man hin. Man liest. Man vergleicht. Man fragt nach. Manchmal ist das langwierig. Hier geht es schnell. Ich kann lesen, was unter den Balken steht.

Nehmen wir die Balken also weg: Was hat Koch gestrichen? Wo hat er sich nachträglich schöner gemacht? Hat er kritische Aussagen beseitigt? Hat er Fragen verändert? Und hat er tatsächlich das Interview „komplett umgeschrieben“?

Erst viel Lärm – dann wird es interessant

Die erste Enthüllung ist eher ernüchternd. Koch beantwortet die Frage nach seiner Ämterfülle (Bundestag, Kreistag, Gemeinderat) mit wenig Schlaf, drei bis vier Stunden reichten, drei Hochschulabschlüssen, Bundeswehr, Organisation und Mitarbeitern. Interessanter ist seine Aussage, unter seiner Führung sollten Stadträte nicht zugleich als Fraktionsangestellte beschäftigt werden. In der Kurzfassung bleibt nur: „Nein. Dass ich mich auf meine Mitarbeiter verlassen kann, ist sehr wichtig.“

Massiv gekürzt? Ja. Große Enthüllung? Eher nicht.

Ähnlich bei Fraktionsinterna. Über seinen ausgeschlossenen Vorgänger Jörg Finkler sagt Koch: „Es hat halt nicht gepasst.“

Über innerparteiliche Kritiker: „Das sind alles Leute, deren Karrierepläne sich aus eigenem Verschulden nicht erfüllt haben.“

An dieser Stelle frage ich mich, warum der Kollege Mack nicht nachhakt: Wen genau meint Koch? Wie begründet er diese Zuschreibung? Doch das bleibt aus. Keine Nachfrage.
Oder gab es diese Fragen doch, fielen aber der „redaktionellen Bearbeitung“ zum Opfer?

Nur Mack und Koch kennen den vollständigen Ablauf des Gesprächs – und natürlich jeder, der die zweistündige Aufnahme komplett abhört.

Massive Kürzung? Ja. Komplett umgeschrieben? Nein

Der MM war dabei keineswegs gezwungen, nach der gescheiterten Autorisierung schwarze Balken zu drucken. Er hätte den Konflikt auch in einem durchgeschriebenen Beitrag darstellen und Kochs Äußerungen darin als sachlich korrekt wiedergegebene Zitate dokumentieren können. Dann hätte der Leser erfahren, was Koch tatsächlich gesagt hatte – statt ratlos auf schwarze Flächen zu schauen.

Warum die Redaktion diesen Weg nicht gewählt hat, weiß ich nicht.

Bemerkenswert ist hingegen, was Koch gerade nicht streicht. Über CDU und Mannheimer Liste sagt Koch: „Mit den Fraktionsvorsitzenden von CDU und Mannheimer Liste ist es eine fachlich einwandfreie Zusammenarbeit.“ Man rede über Probleme und suche nach Lösungen.

Das ist kommunalpolitisch durchaus interessant. Und es bleibt stehen. Der MM macht daraus sogar seine Überschrift.

PDF-Zeitungsseite des enthüllten Internviews mit dem AfD-Politiker Heinrich Koch. Eine einfache Freeware und etwas Zeit machen den Text hinter der Schwärzung lesbar. Quelle Mannheimer Morgen, Bearbeitung: Hardy Prothmann

Dann fragt der MM nach der rechnerischen Mehrheit bürgerlich-konservativer Parteien mit der AfD, die praktisch nicht genutzt werde. Die ursprüngliche Frage enthält zusätzlich die Feststellung, AfD-Anträgen stimme ansonsten fast niemand zu, außer gelegentlich Einzelstadtrat Julien Ferrat. Ob man so fragen muss oder anders, ist egal, das entscheidet jeder Journalist selbst: „Frustriert das nicht?“

In der AfD-Fassung bleibt im Wesentlichen nur die Feststellung, dass die rechnerische Mehrheit kaum genutzt werde.

Die scheinbar mitfühlende, aber eher provokante Frage wollte Koch im Prozess der Autorisierung entschärfen. Das würde ich als Interviewer auch nicht akzeptieren. Die Fragen gehören dem, der das Gespräch führt. Der Interviewpartner darf eine falsche Prämisse zurückweisen. Er darf aber nicht aus einer unangenehmen Frage nachträglich eine angenehmere machen.

Koch ist politisch nicht unerfahren, wenn auch kein Medienprofi

Noch deutlicher wird die Glättung beim vorgelegten Satz: „Dass man in deutschen Parlamenten nicht mühelos über Parteigrenzen hinaus Probleme besprechen und gemeinsam lösen kann, ist ein Verrat aus dem linken politischen Lager.“

In der gekürzten Fassung wollte er veröffentlicht sehen: „Nein. Wir bringen Anträge ein, die wir in der Sache für richtig und umsetzbar halten.“

Hier passiert mehr als Kürzen. Der aggressive politische Ton verschwindet. Aus „Verrat“ wird eine biedere Erklärung. Der Leser bekommt tatsächlich einen zahmeren Heinrich Koch.

Und bei der Klimapassage wird es noch deutlicher. Auf den vom MM hergestellten Zusammenhang zwischen Hitze und Klimawandel antwortet Koch: „Diesen Zusammenhang sehe ich nicht.“ Dann folgt ein Exkurs über Römer, Alpen, Gletscher und die Forderung, in Mannheim lieber Geld für Klimaanlagen als für „Green-Deal-Manager“ auszugeben.

In der von Koch gekürzten Fassung bleiben heiße Sommer, Folgephänomene und Klimaanlagen.
Das ist journalistisch relevant. Koch hat seine Antwort politisch und argumentativ bereinigt.
Aber zur Erinnerung: Die zahlenden Abonnenten des MM erfahren davon – nichts.

Schließlich verändert Koch eine weitere Frage. Aus „Ihrer Fraktion im Gemeinderat sind Parkplätze aber in der Regel wichtiger als Grünflächen, oder?“ wird: „Ihrer Fraktion im Gemeinderat sind Parkplätze in der Regel wichtig, oder?“

Kleine Änderung, erheblicher Unterschied. Der Zielkonflikt verschwindet.

Auch hier: Nein, Herr Koch. Diese Frage gehört Ihnen nicht.

Koch ist kein völlig unerfahrener Politiker. Er kommt ursprünglich aus der FDP und war bereits Bezirksbeirat, bevor er zur AfD wechselte. Trotzdem war er lange ein eher unauffälliger Mannheimer Lokalpolitiker und kein Politiker, dessen Alltag aus großen Medienauftritten und bundesweiten Interviews bestand. Das entschuldigt seine Eingriffe nicht. Für die Einordnung dieses ziemlich eskalierten Autorisierungskonflikts gehört es aber zum Bild.

Was Koch tatsächlich gemacht hat

Das Bild ist differenzierter, als die schwarze Seite suggeriert.

Koch hat – dank der Möglichkeiten, die das auch in der Medienbranche mittlerweile kritisch gesehene Verfahren der Autorisierung von Interviews bietet – massiv gekürzt. Vieles davon ist verzichtbare Selbstdarstellung oder kommunalpolitisches Kleinklein. Über den Ausschluss oder Rücktritt von Finkler hatte der MM selbst bereits umfangreich berichtet – die Passage ist also nicht gerade die große Neuigkeit.

An mehreren Stellen versucht Koch eindeutig, die ihm redaktionell vorgelegte Fassung nachträglich zu verändern. „Verrat aus dem linken politischen Lager“ verschwindet. Die Klimapassage wird entschärft. Kritische Fragen werden bequemer gemacht.

Das ist keine bloße Textpflege. Kritik der Zeitung an diesem Verhalten ist nachvollziehbar.
Aber reicht das für die daraus inszenierte Story?

Hier beginnt die nächste Untersuchung.

Die schwarzen Balken gehen auf Deutschlandreise

Während ich mich durch die Balken arbeite, verlässt die Geschichte bereits Mannheim und geht auf Reise.

Focus Online greift sie zeitnah auf. Dann t-online: „AfD-Politiker will Interview umschreiben – Zeitung wehrt sich“. Schließlich die WELT. Aus dem Mannheimer Sommerinterview ist eine bundesweite politische Geschichte geworden.

Die WELT formuliert zunächst sauber: Koch habe „nach Angaben des ‚Mannheimer Morgen‘“ große Teile des Interviews streichen wollen. Genau so gehört sich das. Die WELT war bei dem Gespräch nicht dabei.

Dann zitiert sie Scharlibbe: „Nein, da ist uns nicht die Druckerschwärze ausgelaufen. Und das ist auch kein Pixel-Fehler in der App. Nur der Versuch eines AfD-Politikers, die Pressefreiheit zu beschneiden.“

Da sind wir inzwischen also. Nicht mehr bei: Lokalpolitiker und Lokalzeitung streiten über die Autorisierung eines Interviews. Sondern bei: Ein AfD-Politiker versucht, die „Pressefreiheit zu beschneiden“.

Eine Geschichte verstärkt sich selbst

Das ist medienhandwerklich interessant. Die Zeitung macht den Streit selbst zur Geschichte und findet dafür ein starkes Bild: schwarze Balken.

Die Balken erzeugen Aufmerksamkeit. Die Aufmachung wird selbst zur Nachricht. Andere Medien berichten darüber. Mit jeder Veröffentlichung sieht die Geschichte größer aus.

Nur entsteht dadurch kein einziges zusätzliches Faktum darüber, was Koch nach Darstellung des MM tatsächlich gesagt und bei der anschließenden Autorisierung gestrichen oder verändert hat.

Das Material wird nicht größer. Die Erzählung darüber schon.

Die nachberichtenden Medien übernehmen die Geschichte jedenfalls, ohne ihren Lesern zu zeigen, was tatsächlich unter den Balken steht. Ob und in welchem Umfang sie versucht haben, Kochs ursprüngliche Äußerungen selbst zu beschaffen und zu überprüfen, erfährt man nicht.
Was sich schon jetzt sagen lässt: Die schwarzen Balken sind ein perfektes Bild.

„AfD-Politiker und Redaktion streiten über Interviewautorisierung“ hätte bundesweit vermutlich weniger Karriere gemacht.

Aber eine Zeitungsseite, auf der große Teile eines AfD-Interviews schwarz sind?
Das versteht man auf einen Blick.

Die schwarzen Flächen öffnen den Raum für Fantasie, bevor man eine Zeile gelesen hat: Hier wollte jemand etwas verbergen. Hier wurde etwas unterdrückt. Hier steht etwas, das wir nicht erfahren dürfen.

Es gibt also einen realen Konflikt. Und der „Mannheimer Morgen“ hat an mehreren Stellen sogar die besseren Argumente.

Heinrich Koch hat sich nachträglich geglättet. Er hat markige Aussagen verschwinden lassen. Er hat kritische Fragen entschärft. Das ist kein sauberer Umgang mit einem Wortlautinterview.

Helden vs. Schurken

Nur: Das ist nicht die Geschichte, die der „Mannheimer Morgen“ seinen Lesern verkauft.
Aus einem Streit über eine Interviewautorisierung wird durch Chefredakteurin Scharlibbe ein „absoluter Tabubruch“. Aus zwei veränderten Fragen wird eine „Missachtung der Pressefreiheit“. Aus Heinrich Koch werden „viele AfDler“. Und schließlich sogar „immer“. Und gegenüber der WELT: „Regeln werden mit Füßen getreten“. Nur: Für den Sprung von Heinrich Koch zu „vielen AfDlern“ und schließlich zu „immer“ liefert dieser konkrete Fall keinen Beleg.
Das ist Polit-Boulevard. Der funktioniert raffiniert. Man nimmt einen tatsächlichen Vorgang (Interview), wählt die maximal wirksamen Ausschnitte (Textvorlage), baut ein starkes Bild dazu (Balken), dreht die Lautstärke hoch (Scharlibbe als Heldin, Koch als Schurke) – und lässt weg, was die schöne Eindeutigkeit stören könnte.

Die schwarzen Balken sehen nach Geheimnis aus. Nach Zensur. Nach etwas, das der Öffentlichkeit vorenthalten werden soll. Nur darf die Öffentlichkeit gerade nicht lesen, worüber sie sich empören soll.

Journalismus fordert von anderen Transparenz. Er überprüft Aussagen. Er verlangt Belege. Er ordnet ein. Er trennt im Idealfall Nachricht und Meinung. Aber wenn er Vertrauen beansprucht, muss er dieselben Maßstäbe an die eigene Arbeit anlegen.

Transparenz ist wichtig – „immer“

Hier hätte der „Mannheimer Morgen“ seinen Lesern den Konflikt offenlegen können: Das haben wir gefragt. Das hat Koch gesagt. Das wollten wir veröffentlichen. Das wollte Koch anschließend ändern. Und deshalb akzeptieren wir seine Autorisierung nicht.

Das wäre transparent gewesen. Stattdessen bekommt der Leser schwarze Balken.
Und dann passiert ausgerechnet das, was diese Geschichte fast zur Satire macht: Die Balken lassen sich entfernen – weil der „Mannheimer Morgen“ bei seiner vermeintlich großen Story technisch schlampt.

Plötzlich kann der interessierte Leser die Inszenierung überprüfen. Und findet darunter keine große Enthüllung.

Er findet einen Lokalpolitiker, der sich nachträglich besser aussehen lassen will. Teilweise banal. Teilweise ärgerlich. An einigen Stellen journalistisch eindeutig kritikwürdig.

Aber eben auch eine Redaktion, die daraus sehr viel mehr in eigener Sache macht, als das einzulösen, was man den Lesern verspricht – besser informiert in den Tag zu gehen.

Chefredakteurin Miriam Scharlibbe überschreibt ihren Kommentar mit dem Satz:
„Auch im Umgang mit der AfD müssen Medien sagen, was ist.“

Einverstanden.

Das ist sogar ein ziemlich guter Maßstab.

Dann wenden wir ihn doch an: Hat der „Mannheimer Morgen“ gesagt, was ist?

Oder hat er einen realen, aber überschaubaren Autorisierungskonflikt mit schwarzen Balken maximal aufgeladen, zum Angriff auf die Pressefreiheit erklärt und vom Verhalten eines AfD-Politikers gleich auf „viele AfDler“ geschlossen?

Diese Frage muss nicht Heinrich Koch beantworten. Sondern der „Mannheimer Morgen“.

Denn Medienethik, Transparenz, Glaubwürdigkeit, Qualität, all das, beginnt beim eigenen Handwerk.

Und manchmal genügt ein Mausklick, um es zu überprüfen, „was ist“. Und was nicht ist.


Lesehinweis: Auch Alexander Graf, Chefredakteur des Medienmagazins „Übermedien“, hat sich mit dem geschwärzten Koch-Interview beschäftigt. Unter der Überschrift „Nicht jeder Regelbruch ist gleich ein Angriff auf die Pressefreiheit“ kritisiert er Kochs Eingriffe in das Interview ausdrücklich, stellt aber zugleich die Frage, ob daraus tatsächlich ein „Kampf für die Pressefreiheit“ gemacht werden muss. Interessant ist auch sein Blick auf frühere Autorisierungskonflikte: Graf erinnert unter anderem an Olaf Scholz, Philipp Rösler, Paula Piechotta und Gabor Steingart. Sein Fazit: Gerade Journalisten sollten mit großen Begriffen wie „Angriff auf die Pressefreiheit“ zurückhaltend umgehen. Für Interessierte eine lesenswerte Ergänzung und Einordnung zu diesem Fall.

 

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