Schlagwort-Archive: FAZ

Wer genau hinschaut, sieht Fassade

Ich lese bei Franz Sommerfeld auf LinkedIn einen interessanten, nüchternen, fast feuilletonistisch ruhigen Beitrag über ein aktuelles Interview der „Zeit“ mit Ulf Poschardt. Sommerfeld verweist auf eine Kolumne der FAS-Feuilleton-Chefin Julia Encke, die deutlich bissiger formuliert und völlig zu Recht fragt, was da eigentlich passiert: Warum wird jemand wie Poschardt in großen Medien teilweise eher als atmosphärisches Ereignis behandelt als als Gegenstand kritischer Analyse?

Von Hardy Prothmann

Worum geht es hier eigentlich noch? Um Inhalte? Um Erkenntnis? Um journalistische Leistung? Um Wissen? Um Analyse?

Melanie Amann ging zu Ben Berndt und macht daraus ebenfalls ein Medienereignis.

Klare Antwort: Es geht um Aufmerksamkeit. Um Reichweite. Um Klickdynamik. Um Publikumsbewegung.

Berndt ist ein Zweit- und Drittverwerter

Ben Berndt etwa wird behandelt wie ein medienkulturelles Phänomen. Warum eigentlich? Was hat er denn journalistisch gehoben? Welche Biografie hat er freigelegt? Welche Recherche hat er selbst hervorgebracht? Welches Thema hat er originär erschlossen? Weiterlesen

KI-generiert – die Welt aus der Sicht von „Ben B.“

Der folgende Text ist kein tatsächlicher Gastbeitrag und keine reale Autorenerklärung von „Ben B.“. Er wurde mittels KI aus öffentlich zugänglichen Titeln eines deutschsprachigen YouTube-/Podcastformats zusammengesetzt. Die Reihenfolge, Verknüpfung und sprachliche Verdichtung stammen nicht von der betroffenen Person selbst, sondern sind Teil einer experimentellen Medienmontage. Der Text erhebt keinen Anspruch darauf, tatsächliche Ansichten, innere Motive oder persönliche Überzeugungen der realen Person vollständig oder zutreffend wiederzugeben. Er dokumentiert vielmehr, welche Gesamtwirkung entstehen kann, wenn zahlreiche öffentlich veröffentlichte Headlines algorithmisch zu einem fortlaufenden Narrativ verbunden werden. Alle verwendeten Titel stammen aus öffentlich zugänglichen Veröffentlichungen.

Gastbeitrag: Ben B.

100% Realtalk. Kein Bullshit.

„3 Millionen Fans, null Freunde – so hat Erfolg mein Leben zerstört“ (1,3 Mio. Aufrufe, vor 3 Jahren). „Ich war reich, berühmt – und hasste mein Leben“ (231.788 Aufrufe, vor 3 Monaten). „Der extreme Erfolg hat mich fast zerstört: Alle Lügen“ (230.541 Aufrufe, vor 1 Jahr). „Der Tod meines besten Freundes hat mein Leben auf den Kopf gestellt“ (122.139 Aufrufe, vor 2 Jahren). „Der Tod lehrte mich die Lust am Leben“ (264.344 Aufrufe, vor 2 Monaten). Weiterlesen

„ungeskriptet“: Das übergeordnete Meta-Narrativ

Fast alle Titel des Formats „ungeskriptet“ folgen letztlich derselben Tiefenstruktur. Im Kern völlig banal, im Detail oft wenig Substanz – auf der Gefühlsebene für sehr viele „Fans“ jedoch hoch anschlussfähig. Das Weltmodell des Formats lautet: 1. Die sichtbare Welt ist falsch. Medien, Politik und Institutionen verschleiern die Realität. 2. Außenseiter erkennen die Wahrheit. Whistleblower, Ex-Insider, Tabubrecher oder „gecancelte“ Figuren sehen angeblich klarer.3. Der Zuschauer wird eingeweiht.

Das ist eine Art Harry-Potter-Show für eine Anti-Systemfront. „ungeskriptet“ bietet Zugang zu einer Gegenöffentlichkeit – einem Resonanzraum für alternative Wahrheitssuchende.

Die Struktur

1. SYSTEMVERFALL / STAATSVERSAGEN

Typische Headlines

  • „Der Bundestag ist nur Fassade“
  • „Deutschland ist am Ende!“
  • „Deutschland scheitert“
  • „So verrät Deutschland sein eigenes Volk“
  • „Die da oben wollen mich hinter Gittern“
  • „Der deutsche Staat ist das Problem“
  • „Tagesschau: Das korrupte System des ÖRR“
  • „Was dir die Tagesschau verschweigt“

Wiederkehrendes Grundmuster: Institutionen lügen → Medien decken es → Bürger werden manipuliert → Insider packen aus.

Das Format produziert dadurch ein permanentes Enthüllungsgefühl.

2. TABUBRUCH / VERBOTENES WISSEN

Weiterlesen

Atmosphäre schlägt Einordnung – wie sich Berndt gegen Amann behauptete

Ben Berndt und Melanie Amann hatten gute Gründe, dieses Gespräch zu führen. Berndt konnte demonstrieren, dass er mehr ist als ein AfD-naher Resonanzverstärker mit Höcke-Bonus. Amann wiederum bekam die Chance, mit einem der derzeit sichtbarsten Gegenöffentlichkeitsformate direkt in Kontakt zu treten — und womöglich Reichweite außerhalb klassischer Medienmilieus zu erschließen. Das Interesse war also gegenseitig. Die Anschlussfähigkeit offenbar deutlich geringer. Denn je länger das Gespräch dauerte, desto sichtbarer wurde: Beide sprechen zwar über Öffentlichkeit, Journalismus und Verantwortung — meinen damit aber fundamental unterschiedliche Dinge. Und genau darin liegt der eigentliche Erkenntniswert dieses bemerkenswert höflichen „Showdowns“.

Von Hardy Prothmann

422.000 Aufrufe und mehr als 20.000 Kommentare für Teil 1 des Gesprächs zwischen Melanie Amann und Ben Berndt auf dem Kanal von „ungeskriptet“. Dagegen bislang rund 34.000 Aufrufe und etwa 2.200 Kommentare für Teil 2 auf Melanie Amanns neuem Funke-Format „Amann unframed“. Dazu kommen 942.000 Abonnenten bei „ungeskriptet“ gegenüber rund 34.000 bei „unframed“.

Allein diese Zahlen erzählen bereits die eigentliche Geschichte. Denn sie zeigen nicht nur Reichweite. Sie zeigen die Grenzen der Reichweite.

 

Björn Höcke liegt inzwischen bei knapp 5,6 Millionen Aufrufen. Holger Friedrich überschritt die 600.000. Joachim Steinhöfel liegt bei rund 578.000. Melanie Amann dagegen bleibt bislang weit darunter.

Das ist nicht einfach ein normaler Reichweitenunterschied. Es deutet auf ein asymmetrisches Aufmerksamkeitsmodell hin.

Und es belegt: Nicht „ungeskriptet“ hat 5,5 Millionen gezogen – es war Höcke.

Weiterlesen

Amann zerstört „Ben ungeskriptet“ oder wieso eine Rakete noch kein Raumfahrtprogramm macht

Ok. Die Schlagzeile ist Youtube-like. Sie hätte auch lauten können: Souveräne Amann zeigt Berndt dessen Grenzen auf. Der reichweitenstarke Podcast droht an seiner eigenen Resonanz zu scheitern, wenn es den Resonanzraum verlässt und inhaltlich geprüft wird. Nicht „ungeskriptet“ hat 5,5 Millionen Zuschauer gezogen. Höcke hat „ungeskriptet“ auf 5,5 Millionen gezogen.

Von Hardy Prothmann

Das Interessanteste an „ungeskriptet“ passiert längst nicht mehr im Studio. Es passiert darunter. In den Kommentarspalten. Dort liegt inzwischen offener als in jedem Gespräch selbst, worauf dieses Format tatsächlich basiert — und worauf nicht.

Das Gespräch mit Melanie Amann macht das brutal sichtbar.

Da sitzt kein schutzloser Außenseiter. Sondern ein zwei Meter großer „MMA-Kämpfer“ mit Millionenreichweite, in seinem professionellem Studio, Team, wirtschaftlichem Erfolg und maximaler Aufmerksamkeit. Eingeladen hat er Melanie Amann selbst.

Kaum läuft die Folge an, beginnen die Kommentare:

„Pass auf, Ben.“
„Die stellt dir eine Falle.“
„Typisch Spiegel.“
„Propaganda.“
„Truller.“
„Linksgrüne Hetzerin.“

Zu diesem Zeitpunkt ist inhaltlich praktisch nichts passiert. Keine Eskalation. Kein Streit. Keine harte Zuspitzung. Nur die Anwesenheit von Melanie Amann.

Das ist psychologisch hochinteressant.

Denn verteidigt wird längst nicht mehr einfach Ben Berndt. Verteidigt wird ein Gegenraum.

Dabei geht es nicht um Frau Amann. Es geht nur um das Symbol in den Augen der „Bubble“. Diese Community reagiert längst nicht mehr primär auf Inhalte. Sie reagiert auf Symbole. Auf Rollen, hier Höcke, dort Amann. Auf kulturelle Zuordnung. Melanie Amann ist dort nicht einfach Melanie Amann. Sie ist ehemals Spiegel, jetzt Funke Mediengruppe (zahlreiche Regionalzeitungen, darunter Thüringer Allgemeine). Journalismus. Einordnung. Deutungshoheit. Institutionelle Medienmacht. Das System. Weiterlesen