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Hardy Prothmann. Journalist. Foto: geprothmannt

„ungeskriptet“: Schockstarre nach Maximalprovokation

Der Podcast „Ungeskriptet“ lebt von Journalismus – und erklärt ihn zugleich für überflüssig

Kommentar: Hardy Prothmann

Der Erfolg von „ungeskriptet“ kommt nicht aus dem Nichts. Er trifft einen realen Bedarf. Viele klassische Medienformate sind zu kurz, zu ritualisiert, zu vorhersehbar. Der Wunsch nach längeren Gesprächen ist legitim.

Aber genau hier beginnt die Verwechslung.

Exzessivität ist kein Qualitätskriterium

Exzessive Länge ist kein Qualitätskriterium. Gespielte Offenheit ist keine Methode. Zuhören ist keine Leistung.

„Ungeskriptet“ verspricht Authentizität. Was es liefert, ist empörte Anschlussfähigkeit auf allen Seiten.

Das Format wirkt wie ein Gegenmodell zum Journalismus. Tatsächlich ist es davon abhängig. Es lebt von Informationen, die anderswo entstehen: durch Recherche, durch Redaktionen, durch wissenschaftliche Arbeit, durch Gerichte, durch Behörden. Ohne diese Vorarbeit gäbe es keinen Kontext, keine Figuren, keine Konflikte.

Und genau diese Grundlage wird gleichzeitig infrage gestellt.

Informationen werden genutzt, wenn sie passen – und verworfen, wenn sie stören.

Mut ohne Konsequenz

Das ist kein Widerspruch. Das folgt einem erkennbaren Muster. Weiterlesen